Große oder großartige Anleitungen versucht jeder von uns zu schreiben, gelungen ist es dem schottischen Künstler Ross Sinclair schon im Jahr 2000. Einem Branchenfremden, soweit musste es ja kommen bei all dem Streben nach Digitalisierung und Vernetzung.

Nun die Größe (13 x 10 m) ist hier auf dem ersten Blick dem Medium geschuldet, das hat nicht jeder von uns zur Verfügung. Aber auch inhaltlich kann sich die Anleitung sehen lassen, da wurden einige ganz große Themen angegangen. Wem diese 10 Handlungsschritte nicht zum Handeln anregen, den regen sie vielleicht zum Nachdenken und Zweifeln an. Nicht zuletzt, da der Autor es dem Leser offen lässt zu entscheiden „DU SOLLST“ oder „DU SOLLST NICHT“ zu wählen. Eine Lösung für uns technische Redakteure aktives Lesen und bewusstes Entscheiden zu fördern? Wohl eher nicht.

Ross Sinclair sagte sinngemäß zu seiner Anleitung an der Wand im Magazin „Neues Leben“: Ein ehrlicher Versuch, uns alle zusammenzubringen, uns alle auf den Kopf zu stellen und zu schütteln, bis es weh tut.

Aber was steckt tatsächlich hinter dieser wandgroßen Anleitung?

Ross Sinclair fand bei einem Aufenthalt in Leipzig viele verblassende „Wandmalereien“ aus DDR-Zeiten vor, die die Tugenden des sowjetischen Lebens preisen. Zum Beispiel "Diejenigen, die mit der Sowjetunion gehen, werden die Gewinner der Geschichte sein". Parallel dazu war schon großflächige Werbung von der neuen bunten Welt und ihren Produkten zu sehen.
Sinclair wollte nun mit seinem Wandbild in diesem völlig anachronistischen Stil, eben diesen Stil mit in die neue Zeit nehmen und in Kontrast zu aktuellen Mantras des Spätkapitalismus setzen.
Die Anleitung an der Wand ist Teil Sinclairs Real-Life-Projekt, das 1994 ins Leben gerufen wurde, als er sich die Worte "Real Life" auf den Rücken tätowieren ließ. Seitdem ist Real Life zu einem Performance-Projekt geworden, das in einer Vielzahl von Ausstellungen und Kunstprojekten Sinclairs wieder zu finden ist.

www.rosssinclair.co.uk (PROJECTS / 2000 / Real life and How to Live it, No.1)

auf Google Maps finden (für alle, die die großartige Anleitung im Schumachergäßchen 1-3 in Leipzig besuchen wollen)