Nachdem sich die Technischen Illustratoren von den Fesseln der Konstruktion befreit hatten und selbst die 3D-CAD-Daten in die Hand nahmen ist die Abhängigkeit zu den Entwicklern der Maschinen- und Anlagensteuerungen ungebrochen. Noch immer kann es sehr aufwendig sein, Screenshots von Steuerungen in definierten Zuständen und in guter Qualität zu erzeugen. Trotz objektiver Grenzen können dennoch „Screenshots“ in alternativen Wegen effizient erzeugt und zusätzlich auch innerhalb standardisierter Übersetzungsprozesse gehalten werden.

Typische Arbeitsweise

  • echte Fotos von Bedienoberflächen der Steuerung
  • klassische Screenshots in der Entwicklungsumgebung
  • Export der Screens aus der Entwicklungsumgebung als Rasterbil


Foto der Bedieneroberfläche einer Maschinesteuerung

Nachteile der typischen Arbeitsweise

  • direkter Zugang zu Steuerung und Maschine ist notwendig
  • oft nur mit Unterstützung des Entwicklers möglich
  • Prüfständen oder in Simulationsumgebungen können notwendig sein
  • bei lokalisierten Steuerungen müssen alle Schritte zum Erstellen wiederholt werden
  • kaum paralleles Arbeiten von Entwicklung und Dokumentation möglich

Technischen Illustratoren fehlt typischerweise der Zugang zur Entwicklungsumgebung und das Know-how bei deren Benutzung. Aber „Screenshots“ der Maschinen- oder Anlagensteuerungen können nun tatsächlich nur in der Entwicklungsumgebung erstellt werden. Meist sogar nur auf Prüfständen oder in Simulationsumgebungen. Ebenso der direkte Zugang zur Maschine oder Anlage kann sich, zum Beispiel durch große Entfernungen, bereits in Betrieb genommene und an den Kunden übergebene Anlagen oder nachträgliche Updates, schwierig gestalten.

Alternative Arbeitsweise

Als effiziente Alternative hat sich für geeignete Projekte die Umsetzung der Screens der Steuerungssoftware als strukturierte Vektorgrafik mit gezielt manipulierbaren Objekten erwiesen. Die grafisch vergleichsweise simplen Oberflächen der Steuerung werden vollständig als Vektorillustration nachgebaut. Da davon auszugehen ist, dass eine Steuerungssoftware und ihre Bedienoberfläche einem möglicherweise langen Lebenszyklus unterliegen, muss beim Erstellen der „Vektor-Screenshots“ auf optimale Änderbarkeit geachtet werden.

Im Corel DESIGNER sorgen für optimale Änderbarkeit:

  • Objektstile
  • Extern und intern referenzierte Symbole
  • Gruppen
  • Ebenen

Auch, wenn der funktionale Einsatz der Corel Funktionen klar sein sollte, geht ohne ein kleines pragmatisches Grafikkonzept nichts. In diesem Grafikkonzept müssen auf Basis eines oder mehrerer echter Screenshots der Steuerung Objektstile mit Eigenschaften und semantischer Benennung sowie eine Systematik für Symbole, Gruppen und Ebenen festgelegt werden.


Bedieneroberfläche einer Maschinensteuerung als Vektoren manipulierbar

Liegen erst einmal editierbare Daten vor, unterstützt der Corel DESIGNER durch Ex- und Import der zu übersetzenden Texte im XLIFF-Format (XML Localization Interchange File Format), das für den problemlosen Austausch mit Translation Memory Software sorgt. 


Texte einer Bedieneroberfläche im Übersetzungsprozess mit XLIFF

Vorteile der alternativen Arbeitsweise

  • beste grafische Qualität
  • einfachstes Nachstellen jeder denkbaren Situation der Maschine, auch jeder fehlerhaften Situation
  • kein direkter Zugang zu Steuerung und Maschine notwendig
  • keine direkte Unterstützung des Entwicklers notwendig
  • sehr gute Vorbereitung und Umsetzung der Lokalisierung
  • Lokalisierung findet jetzt nicht mehr in der Entwicklungsabteilung, sondern in der Dokumentationsabteilung mit entsprechendem Einfluss auf Sprache und Terminologie statt und findet dann erst ihren Weg zurück in die Steuerung.
  • paralleles Arbeiten von Entwicklung und Dokumentation wird möglich
  • gewachsene Unabhängigkeit von der Entwicklungsabteilung
  • gewachsene Möglichkeit der Einflussnahme auf die Gestaltung der Bedienoberfläche

Nachteile der alternativen Arbeitsweise

  • Grafikkonzept muss einmalig erstellt werden
  • Grafikvorlage muss einmalig erstellt werden
  • Screenshots müssen praktisch manuell neu erstellt werden

Fazit

Als Vektorobjekte nachgebaute Screens von Steuerungen können die Technische Redaktion aus scheinbar unumstößlichen Prozessen der Maschinen- und Anlagenbaudokumentation lösen und für neue Kreativität und Effizienz sorgen.