Icons, Symbole, Piktogramme - graphisch abstrahierte Informationen begegnen uns in allen Lebenslagen. In der Technischen Kommunikation setzen wir diese selbst gern und häufig ein. Hier werden zwei Entwicklungsstadien der Bedienoberfläche eines Heavy load transporters analysiert, Alternativen recherchiert und die Darstellung überarbeitet. Berücksichtigung finden ISO 7000, EN 80416 und die Umsetzung in Illustrationswerkzeugen.

Was ist zu tun?

  • In die Aufgaben und die Bedienung des Transporters einarbeiten.
  • Aktuelle Umsetzung der Icons zur Bedienung analysieren.
  • Verbesserte Icons zur Bedienung entwickeln.
  • Icons im Illustrationswerkzeug umsetzen.

In die Aufgaben und die Bedienung des Transporters einarbeiten

Ohne umfassende Kenntnis des Produkts, dessen Aufgaben, seinen technischen Zusammenhängen und seiner Bedienung ist eine optimale Entwicklung von Icons zur Bedienung nicht denkbar. Zu diesem Wissen hinzu kommt der notwendige Einblick in das lokale Einsatzgebiet und seinen Anwendern.

Entweder die Informationen zum Produkt sind dem Icon-Entwickler bekannt, da er Teil des Entwicklungsteams ist oder er kann sich als Externer angemessen einarbeiten. Beide Varianten haben Nachteile. Ist der Icon-Entwickler zu stark mit dem Produkt verbunden, kann er sich nur schwer von bekannten Umsetzungen trennen und sich auf die Anwendersicht einlassen. Für den externen Icon-Entwickler kann es schwer sein sich angemessen in komplexe Produkte einzuarbeiten und branchenübliche Erwartungen zu erfüllen.

Für beide aber, ist es schwer, die Situation am Einsatzort und die der Bediener zu analysieren. Das liegt zum Beispiel an großen geografischen und kulturellen Abständen und im industriellen Umfeld des Sondermaschinenbaus ist es kaum wirtschaftlich möglich theoretische Vorgaben, wie Anwendertests und Analyse des lokalen Ausbildungsstandes umzusetzen. Hier vorweggenommen, ist die Lösung so weit wie möglich normenbasiert und kulturell wie sprachlich neutral zu arbeiten.

Als Beispiel werden die Icons der Bedienung der Heavy load transporter KGT 20/10‑880 und KSC 900 der KIROW ARDELT GMBH betrachtet. Der Schwerlasttransporter wird zum Bau von Betonbrückenstrecken schienengebundene Transportsysteme eingesetzt.

  • Transportlast bis 900 t
  • Halbautomatischer Transport
  • Einsatzort China und Taiwan


Zwei Versionen des Heavy load transporters, KGT und KSC

Aktuelle Umsetzung der Icons zur Bedienung analysieren

Das Beispiel des Icons „Geschwindigkeit Langsam“ zeigt die Schwäche der metaphorischen Umsetzungen.


Icon „Geschwindigkeit Langsam“

Das Icon „Geschwindigkeit Langsam“ nutz die in Europa verbreitete metaphorische Aussage von Schildkröte = Langsam. Im Einsatzgebiet des Transporters hat die Schildkröte jedoch vor allem die Bedeutung von „Weisheit“ und „Beständigkeit“ (www.dragonfruit.org). Das Icon könnte so zum Beispiel als Aktivierung des  Energiesparmodus interpretiert werden. Unerfreulicher sind noch die Bedeutungen „Zuhälter“ und „Bordellbesitzer“ (www.wikipedia.org), die in diesem Kontext wohl dennoch vernachlässigt werden können, aber zeigen wie umsichtig metaphorische Aussage eingesetzt werden sollten. Das Icon besitzt weiterhin keine vollständige Aussage, lediglich „langsam“ wird versucht zu zeigen, aber ein „Gegenstand“ fehlt komplett.

Verbesserte Icons zur Bedienung entwickeln

Das Icon „Geschwindigkeit Langsam“ soll für eine bessere kulturneutrale Erkennbarkeit neu entwickelt werden.

Was soll die Aussage des Icon sein?

Fahrgeschwindigkeit des Transporters auf die Geschwindigkeit Langsam begrenzt.
Icon Gegenstand = Transporter
Icon Aussage = langsam fahren

Was ist der funktionale Kontext?

Der Transporter muss langsam an die Übergabestelle des Betonträgers fahren. Es gibt für die freie Transportstrecke eine Schnellfahrt. Und es sind am Transporter noch weitere Teile vorhanden die fahren können, nämlich der Verschiebewagen zur Übergabe des Betonträgers.

Im Icon muss also der Transporter und das langsam Fahren dargestellt werden und weiterhin, ob diese Funktion aktiviert oder deaktiviert ist. Mit dieser einfachen und systematischen Vorarbeit ist es möglich einen systematischen Satz von leichterlernbaren Icons zu entwickeln. Dazu wird die EN 80461-1 (Allgemeine Grundlagen für grafische Symbole auf Einrichtungen - Gestaltung graphischer Symbole) angewendet mit:

  • Erstellungsverfahren
  • Entwurfsregeln
  • Gestaltungsprinzipien

Icons im Illustrationswerkzeug umsetzen

Die Umsetzung und Verwaltung erfolgt im Corel DESIGNER. So grafisch simpel Icons und Symbole sein mögen, sollte doch etwas Überlegung in deren systematische Erstellung investiert werden.

Werden die grafischen Objekte als Linie angelegt, müssen diese die Eigenschaft „mit Objekt skalieren“ besitzen. Ohne diese Eigenschaft würden die Objekte bei einer Skalierung unproportional zur Größe des Icons wirken und bei Verkleinerungen sogar ineinander fließen. Leider hat diese Eigenschaft aber auch den Nachteil, dass bei starken Verkleinerungen „Quasi-Haarlinien“ entstehen und diese abhängig vom Publikationsverfahren und -medium unterbrochen wirken oder sogar gar nicht dargestellt werden. Die Lösung für dieses Problem ist, alle Objekte als Flächen darzustellen und den Flächen zusätzlich einen definierten Umriss, etwas stärker als eine Haarlinie zu geben. Dieser zusätzliche Umriss, diesmal ohne die Eigenschaft „mit Objekt skalieren“, ist bei großen Darstellungen des Icons unerheblich, verhindert aber bei starken Verkleinerungen das Entstehen von „Quasi-Haarlinien“, wobei ein etwas unproportionales Verhältnis von Objekten zur Icongröße toleriert werden muss.

Mit dem Corel DESIGNER lassen sich Icons effektiv in Symbolbibliotheken (CSL) verwalten und erstellen. Diese Symbolbibliotheken entsprechen normalen DESIGNER-Dateien, die aber Symboldefinitionen enthalten. Die Symbolbibliothek ist gleichzeitig Vorlage zum Erstellen neuer Icons. Die Vorlage (CDT) enthält:

  • Seiten die später als Katalog gedruckt werden können, mit Instanzen der Icons aus der internen Symbolbibliothek.
  • Je eine Seite pro Icon in der Größe der Grundfigur nach EN 80416-1. Diese Seiten besitzen zwei Ebenen, eine mit der der Grundfigur und eine Ebene mit dem Icon selbst. Das Icon hier ist auch schon als Symbol referenziert.
  • Je eine Seite pro Standardinhalt für Icons in der Größe der Grundfigur, wie zum Beispiel das Grundquadrat, der Grundkreis und weitere sich wiederholende produkt- oder firmenspezifische Inhalte. Auch diese Seiten besitzen zwei Ebenen, eine mit der der Grundfigur und eine Ebene mit dem Standardinhalt für Icons selbst. Der Standardinhalt für Icons hier ist auch schon als Symbol referenziert.
  • Übergreifend enthält diese Datei Stile, ohne die kein grafisches Objekt erstellt werden sollte, und kleinere Anpassungen des Softwareverhaltens.

Zur Corel DESIGNER Symbolbibliothek gehört ein angepasster Arbeitsbereich (CDWS), der Tastaturbefehle und Befehlsleisten für die benötigten Stile sowie für die Illustrationsaufgabe typische Befehle enthält.

Die Arbeitsweise wäre dann wie folgt: Zuerst werden die grafische Objekte als Linie mit einem Stil (2 oder 4 mm Umriss) erstellen. Ist ihr Erscheinungsbild wunschgemäß, werden die Umrisse in Objekte, also Flächen umgewandelt und mit einem Tastaturbefehle ein Stil zugwiesen. Abhängig von den Objekten kann es sinnvoll sein, einzelne Objekte miteinander zu verschmelzen. Eventuell verwendete Zeichen aus Fonts sollten ebenfalls, um die nachfolgenden Prozesse nicht zu belasten und Darstellungstreue zu erhalten, in Kurven umgewandelt.